Eine Wohnung ist kein Aktienpaket

Mit meiner zweijährigen Tochter auf dem Arm stand ich diese Woche gemeinsam mit Genossinnen und Genossen vor der Habersaathstraße. Es war nicht die erste Demo für meine Kleine – und leider wahrscheinlich auch nicht die letzte. Denn der Kampf um bezahlbaren Wohnraum in Berlin geht weiter.

Mehr als 100 Menschen sind gekommen, um Solidarität mit den Bewohnerinnen und Bewohnern zu zeigen. Vor Ort gab es eindrückliche Worte von Daniel Diekmann aus der Hausgemeinschaft und von Sebastian Bartels vom Berliner Mieterverein. Der Tenor war klar: Eine Wohnung ist kein Aktienpaket. Wohnen ist ein Grundbedürfnis – kein Spekulationsobjekt.

Der Konflikt um die Habersaathstraße beschäftigt Berlin seit Jahren. Das Gebäude mit über 100 Wohnungen wurde ursprünglich in den 1980er-Jahren als Wohnheim für Beschäftigte der Charité gebaut. Heute steht ein Großteil leer, während gleichzeitig über Abriss, Neubau und Verwertung gestritten wird.

Die gute Nachricht: Der Eigentümer scheint inzwischen vom kompletten Abriss Abstand zu nehmen und stattdessen auf Umbau und Sanierung zu setzen. Nachdem allerdings zuvor große Teile des Gebäudes zerstört wurden, bleiben viele Fragen offen. Vor allem diese: Wie sollen die verbliebenen Mieterinnen und Mieter in ihren Wohnungen bleiben, wenn zusätzlich ein neuer Seitenflügel gebaut werden soll?

Viele Menschen haben an diesem Nachmittag ihre Unterstützung gezeigt. Ein Chor hat gesungen, Aktivist*innen haben gesprochen, und man hat gespürt: Die Menschen im Kiez lassen die Betroffenen nicht allein.

Berlin braucht bezahlbaren Wohnraum – keine Luxuswohnungen. Und wir brauchen eine Verwaltung, die schneller und entschlossener handelt, wenn bestehender Wohnraum bedroht ist.

Meine Solidarität gilt den Menschen in der Habersaathstraße. Ihr Zuhause darf nicht dem Renditedruck geopfert werden.

TeamTilmann