Kiez-Vereine sind das Rückgrat Berlins.

Als Berliner Jung trat ich früh in einen Fußballverein ein. „Berliner Brauereien“ hieß meine erste Station, dann folgte die Zwangseingliederung beim Erzrivalen Empor Berlin wegen Korruption in der Jugendarbeit und nach kurzer Zeit ein Wechsel zu Berolina Mitte. Dort lernte ich meinen Kiez und Zusammenhalt nochmal auf eine ganz andere Art und Weise kennen.
Ein Fußballverein ermöglicht es nicht nur Sport zu treiben. Man knüpft Freundschaften, lernt schnell in einem Team zu funktionieren oder auf der Bank zu sitzen und findet auch Engagements außerhalb vom Platz. Das habe ich immer mit Vollgas gemacht und mit einer lebenslangen Behinderung an einem meiner Knie für bezahlt. Standard für einen Fußballer.
Als es sportlich nicht mehr ging, blieb ich an der Seitenlinie, bis man mich fragte mich ehrenamtlich zu engagieren. Seit 2021 bin ich einer der Vorsitzenden des Vereins und kümmere mich um Förderanträge und die Öffentlichkeitsarbeit. Das was knapp 100 Ehrenamtliche täglich leisten sichtbar zu machen ist meine Kernaufgabe. Wirklich was neu erfinden muss ich dafür nicht, es ist alles da, wie an vielen Orten in Berlin.
Mir sind Kiezvereine insgesamt wichtig, nicht nur „mein“ eigener. Sportvereine leisten unglaublich viel, aber werden oft vergessen. Der Fokus sollte für Berlin auf Stärkung der Kiez-Strukturen und nicht auf sportlichen Großereignissen liegen. Unsere Verwaltung bekäme das Geld eh nicht auf die Straße. Seit knapp 3 Jahren soll bei uns das Flutlicht auf LED umgestellt werden. Jedes Jahr gibt es eine neue Ausrede, warum es diesmal nicht umgesetzt werden konnte, obwohl das Geld vorhanden und bewilligt ist. Wenn sportliche Großereignisse nach Berlin sollen, dann bitte nur, wenn von Anfang an ein verbindliches Konzept vorliegt, wie das KONKRET den kleinen Vereinen vor Ort hilft.
Bei Sportvereinen wird auch nicht nur Sport getrieben. Die Plätze sind Orte Begegnung für Familien, Nachbarschaft, Ehrenamt, Politik, Kultur und Wirtschaft. Auf dem „Bero“ treffen sich z.B. noch Handwerker und Start-up-Managerinnen, Biertrinkende und Aperol-Spritz-Fans – auf Augenhöhe.
ZITAT: Bei Sportvereinen wird nicht nur Sport getrieben. Die Plätze sind Orte Begegnung für Familien, Nachbarschaft, Ehrenamt, Politik, Kultur und Wirtschaft. Auf dem „Bero“ treffen sich z.B. noch Handwerker und Start-up-Managerinnen, Biertrinkende und Aperol-Spritz-Fans – auf Augenhöhe.
Mir ist es wichtig, dass Sportvereine auf eigenen Beinen stehen können. Die Rahmenbedingungen zur Einstellung von eigenem Personal müssen signifikant verbessert werden. Sogenannte Schlüsselverträge für 1200€/mtl, die 1,5-2 Vollzeitstellen „vergüten“ sollen, gehören nicht dazu. Auch muss die Möglichkeit Förderkulissen für die Infrastruktur anzuzapfen, ohne in endlose Debatten über Haftungsfragen, z.B. für eine Solaranlage auf dem Dach zu geraten, verbessert werden.
Im Wahlprogramm der SPD Berlin heißt es im Abschnitt „Zuhause in der Sportmetropole“:
„Sport stärkt Zusammenhalt, Fairness und Regeln – er fördert Integration und wirkt Gewalt entgegen. Mit Partnern wie der Sportjugend stärken wir sportbezogene Jugendarbeit. Wir verbessern zudem die strukturellen Bedingungen für Menschen mit Behinderungen im Sport. Sportstätten stellen wir Vereinen weiterhin gebührenfrei zur Verfügung. Individuellen Sport fördern wir mit inklusiven Bewegungsangeboten und mehr generationenübergreifenden Aktivplätzen in Parks, etwa für Boule, Calisthenics, Disc Golf, Fitnessparcours und Tischtennis. „Sport im Park“ entwickeln wir weiter
Wir fördern die sportliche Betätigung der Landesbeschäftigten in nicht‑kommerziellen Sportvereinen. Bezirkliche Sportbünde unterstützen wir als Stimme des organisierten Sports in den Kiezen. Trainer*innen qualifizieren wir weiter und verbessern ihre Einkommenssituation.
Wir setzen Neubau, Sanierung, Barrierefreiheit und inklusive Sportstätten mit Nachdruck fort. Das Vereinsinvestitionsprogramm entbürokratisieren wir und stärken es finanziell. Bei der bezirklichen Sportinfrastruktur richten wir uns an der Sportentwicklungsplanung aus und entwickeln ein Typenbauprogramm für Sportfunktionsgebäude. Eine zentrale Planungs- und Baueinheit entlastet Bezirke und beschleunigt barrierefreien Bau und Sanierung.“
Im Wahlprogramm der SPD Berlin-Mitte heißt es im Abschnitt „Gute Bedingungen für alle Sporttreibenden“:
„Sport ist Freizeitgestaltung und Ausgleich von Schule, Privatem und Beruf. Die Teilhabe an inklusiven Sportangeboten für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und den Ältesten verstehen wir als wichtige Vorsorge für die mentale wie körperliche Gesundheit und als gesellschaftlichen Kitt unserer Bevölkerung. Wir sind stolz auf den vielfältigen Vereinssport in Mitte, den wir im Ausbau weiter fördern wollen. Der Bezirk Mitte soll die Sanierung unserer Sportstätten, Sportplätze und Bewegungsfreiflächen spürbar vorantreiben.
Gute Arbeit gilt für uns auch im Sport. Das Bezirksamt Mitte soll daher Rahmenbedingungen, schaffen die es den Sportvereinen ermöglichen, sozialversicherungspflichtige Personen anzustellen.“




